Die Stille hören

Die Stille ist offen, wenn alles andere längst geschlossen ist. Ich trete durch die Tore, die ich einst fürchtete. Nun sind sie verheissungsvoll, einladend. Für Momente verschwinden dürfen, den harten Fakten entkommen, dem „Werden“, dem „Was machst du?“, dem „Wo willst du hin?“

Ich will nirgendwo hin, ruft etwas in mir so laut. Ich will lernen zu sein, wo ich bin.

Ohne etwas zu tun trete ich durch die Tore der Stille. Ich gebe mir die Erlaubnis, mit allem in mir zu gehen. Alles darf da sein. Niemandem muss es gefallen. Aufatmend sinke ich und komme immer wieder an.

Alleine bin ich mit allem verbunden. Still sitzend gehe ich durch farbigste Blumengärten. Ohne etwas dafür zu tun höre ich Melodien, die meine Erinnerungen wecken. Erinnerungen an das, was ich auch noch bin, wenn ich aufhöre, etwas zu sein.

Die Stille berührt zärtlich diese Wunder, die jenseits unseres Verstandes blühen. Einst habe ich sie abglehnt, weil ich sie nicht verstanden habe. Und nun verstehe ich, es braucht etwas Mut, das Unverständliche ins Leben einzulassen.

Weil wir in unserer Gesellschaft so gerne verstehen. Weil wir so gerne harte Fakten haben, weil wir das Werden bestaunen und die tollen Namen. Weil wir uns Sicherheit erhoffen, von all diesem Verständlichen. Doch diese Gesellschaft steht nun vor geschlossenen Türen.

Heute fasse ich Mut, einmal mehr, das Unverständliche ins Leben einzulassen. Die Melodien der Stille. Die Farben hinter geschlossenen Augen. Die sich auftuende Weite wenn ich für einmal nicht weit kommen will.

Was ist nur passiert mit uns. Wo sind wir nur hingerannt. Wie haben wir uns doch verrannt. Was haben wir alles verloren, im Bestreben so viel zu erreichen. Was haben wir alles vergessen, wie wir so viel verstehen wollten. Die Schweigenden, Zurückgezogenen sind unbeindruckt von unseren tollen Namen und Titel, von unserem perfekten Schein. Tun alles, um das zu bewahren, was hinter unbegangenen Toren zu verkümmern droht.

Das ist unsere Hoffnung. Dass wir demütig werden, uns unser Nicht-Wissen eingestehen und uns helfen lassen von jenen, die die Sprache der Stille hören.

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